(Artikel aus der Festschrift von 2002 - Peter Strehler)
"Noch 10 Jahre, dann sind die ,Hundert' voll! ..."
"Wo hat der Männerchor seine Wurzeln"
"Der "Bäcker-Gesangverein" in Bamberg
"Vom Bäckergesangverein" zum "Chor der Bamberger Bäcker"
Herausragende Konzerte und Auftritte
Festschrift
"Noch 10 Jahre, dann sind die ,Hundert' voll! In dieser turbulenten Zeit erscheint es mehr als sonst wichtig zu sein, daß wir weiter zusammen-und uns die Freude am gemeinsamen Gesang erhalten. Mögen auch immer wieder junge Sänger zu uns stoßen, und möge uns Gott helfen, daß wir auch im Jahre 2002 noch singen können. ,Gott segne das Handwerk.. ' "
So hat Toni Rümmer, Mitglied im Bäckergesangverein/ Chor der Bamberger Bäcker seit 1949, seinen anschaulichen Rückblick auf ,,90 Jahre Bamberger Bäckersänger" im Jahr 1992 beendet. Heute greifen wir seine Abschlussgedanken auf und fügen hinzu, dass wir immer "noch singen können". Das belegt auch die CD, die wir in den Jahren 2000/2001 fertig gestellt haben. Die mühsam erarbeiteten und aufgezeichneten 23 Lied- und Chortitel werden, so hoffen wir, Aufmerksamkeit und Freude wecken und viel1eicht auch Ansporn sein für die Bäckerjugend der nächsten Jahrzehnte. Aber sie offenbart ebenso das Problem unserer Tage: Konnte der Chor im Jubiläumsjahr 1952 mit 64 aktiven Sängern auftreten, hatte weiterhin das Festprogramm des 75.Vereinsjubiläumsim Jahr 1977 eine Namensliste mit 41 Sängern aufzuweisen, so mussten wir unser CD-Programm mit nur 29 Chormitgliedern, verstärkt durch zwei Gastsänger, bestreiten. Besonders nachdenklich machen uns die ++ neben den Namen von zwei Sänger- freunden, die zu Beginn der Musikaufnahmen dabei waren, aber die Veröffentlichung nicht mehr erleben konnten. Wilhelm Weihermül1er verstarb 75-jährig am 19.09.2000, zwei Stunden nach Beendigung einer Chorprobe. Konrad Weber, Mitglied seit 1956, erlag im Alter von 69 Jahren einem plötzlichen Herzversagen am 13.03.2001, kurz bevor er seine "Singstunde im Tambosi" besuchen konnte. Sie und al1ein den vergangenen Jahren verstorbenen Freunde betrauern wir in dankbarer Verehrung. Ihr Tod weist aber allzu deutlich auf unsere Situation hin: Die Mitgliederzahl beträgt, verglichen mit 1952, heute 35 Sänger weniger. Andererseits blicken wir sehr zuversichtlich auf den Zugang von neun jungen Sängern in den letzten Jahren, womit wir den jüngsten Altersanteil im Reigen der bayerischen Bäckerchöre darstel1en. Es fragt sich also, um auf das eingangs genannte Chronik-Zitat zurückzukommen: Wie lange noch können wir singen ? - Dieses Fragezeichen beherrscht derzeit die Leitartikel verschiedener Sängerzeitschriften ebenso wie die Einladung zur Jahrestagung des Fränkischen Sängerbundes im Mai 2001: "Männerchor! Wohin?" - Um dies zu beantworten, sollten wir zunächst erkunden, wie das Männerchorsingen überhaupt entstanden ist.
Wie war die musikalische Situation, die sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts unseren Vorvätern präsentierte? Als sich Meister und Gehilfen 1902 zum Zusammenschluss aller Bamberger Bäckersänger entschieden hatten, war die Entwicklung des deutschen Männerchores schon ziemlich genau hundert Jahre alt, bezogen auf drei Ursprungsquellen: 1799 schrieb Michael Haydn seine ersten ,,Männerquartette". 1805 rief Hans Georg Nägeli das ,,Züricher Singinstitut" ins Leben, das Urbild al1er,,Liederkränze", und 1809 entstand aus der Berliner Singakademie durch Carl Friedrich Zelter die erste "Liedertafel". Für unseren Zusammenhang ist Folgendes wichtig: Die Auswirkungen der Französischen Revolution führten im Zuge der aufklärerisch- humanistischen Umformungen alter, überkommener Gesellschaftsordnungen u.a. dazu, dass das öffentliche Musikgeschehen aus den kirchlichen, höfischen oder ständischen Einrichtungen herauswuchs. Die Wiener "Quartettrunden" waren ebenso wie die "Liedertafeln" im Norden Deutschlands oder die in Süddeutschland aufblühenden "Liederkränze" freiwillige Singgemeinschaften, die eine bürgerliche Musikkultur einleiteten. Eine der Grundlagen für diese Entwicklung war auch die Idee J. G. Herders vom "Lied der Völker", die durch ,,Lieder im Volkston" (J.A.P.Schulz) ebenso zum Ausdruck kam wie im "volkstümlichen Lied" von Friedrich Silcher u.a. oder in der Volksliedersammlung "Des Knaben Wunderhorn" von Clemens Brentano und Achim von Arnim. Größte Verdienste für die Volksliedbewegung erwarb sich der Berliner Musiklehrer und Professor Ludwig Erk durch seine umfangreiche Sammlung "Deutscher Liederhort" mit über 20.000 Liedeintragungen aus den Jahren 1830-1882. Der nach Erk benannte Männergesangverein wurde 1843 mit dem ausdrücklichen Zweck gegründet, "besonders das Volkslied zu pflegen". Kennzeichen des neuen Musiklebens waren demnach Freiwilligkeit, geselliges Bürgertum und Volksliedpflege. Nägeli wurde mit seiner Aussage berühmt: "Das Zeitalter der Musik beginnt ... dort, wo die höhere Kunst zum Gemeingut des Volkes ... geworden" ist. Man sang also als "Volkschor" in geselligen Liedertafeln und musizierfreudigen Liederkränzen oder als Gesangverein mit unterschiedlichen gesellschaftlichen, vor allem berufsständischen Zielvorstellungen. Doch während sich die gemischtchörige Musikwelt des 19. Jahrhunderts vorzugsweise den Oratorienin verschiedenen weltlichen wie geistlichen Formen zuwandte, blieb der Männerchorstil eher der Volkstumspflege in geselligen und landschaftlich geprägten Singweisen verhaftet. Es war die Zeit, in der sich unter der Bezeichnung "Vereinslied" ein Liedtypus entwickelte, der weder Kunstlied war, noch Volkslied sein wollte, sondern der in der Gestalt von Vaterlands-, Heimat-, Abschieds-, Natur-und vor allem Trinkliedern die Tradition der Zünfte und Stände weiterführte. Hier stoßen wir auf die Anfänge des "Bamberger Bäcker-Gesang-Vereins". Zwar hatte sich zu dieser Zeit eine weitere Form des "Volkssingens" in der deutschen Jugendbewegung entfaltet. Den Gesangvereinen der Berufsstände war es aber in aller Regel fremd, mit "Klampfe" (Gitarre) und historischen Instrumenten zu den Liedweisen des "Zupfgeigenhanseis" oder des "Spielmanns" in freier Natur zu singen. Man saß doch lieber im Vereinslokal bei Familienfeiern und in geselligen Runden und widmete sich mit Freude und Verantwortung gegenüber dem "Deutschen Lied" einem aus dem oben skizzierten Zusammenhang erwachsenen Repertoire, wie es etwa das "Liederbuch des deutschen Sängerbundes" anzubieten hatte: "Grüß Gott, mit hellem Klang, Heil deutschem Wort und Sang!" - "0 blühe lang, du edler deutscher Männersang!" Auch das Bundeslied "Brüder, reicht die Hand zum Bunde" von W.A.Mozart konnte nicht verhindern, dass Albert Greiners "Singschule" (1905) und später Fritz Jödes "Offene Singstunde" oder Walter Hensels "Musikantengilde" andere Pfade eingeschlagen hatten, die vom Männerchorwesen des ersten Quartals im 20. Jahrhundert wegführten. Die singende Jugend dieser Zeit entdeckte Johann Sebastian Bach, aber auch dessen Vorgänger wie Schütz, Praetorius, Palestrina und damit das streng gebundene, lineare Singen in Kanons und Fugen, Motetten und Madrigalen, vor allem auch im Zusammenspiel mit unterschiedlichen instrumentalen Begleitungen, Improvisationen und Kombinationen. In besonderer Weise gab es zwischen Jung und Alt unterschiedliche Vorstellungen vom "alten Volkslied" und einer neuen Sing- und Volksliedweise, die auch Komponisten wie Armin Knab oder Willy Sendt als geschickte Bindeglieder zunächst nicht zu überbrücken vermochten. Insgesamt aber ist eine Erneuerung des Männerchorwesens vor dem politischen Umbruch seit 1933 in Ansätzen erkennbar. Ob dies der Bamberger Bäckergesangverein in den Jahren 1902-1930 gesehen und berücksichtigt hat, soll ein Blick in unser vorhandenes Notenarchiv sowie in die damaligen Protokollbücher und Chroniken klären.
Zunächst gilt festzuhalten, dass der Bäcker- Gesang-Verein Bamberg bereits seit 1885 bestand und nach den Tagesankündigungen der Lokalpresse zumindest seit 1895 ein regelmäßiges Vereinslebennachweisen konnte, in dem alljährlich "Musik- und Gesangs-Produktionen", "Christbaumfeiern", und "Abendunterhaltungen mit Gesang" u.ä. angeboten wurden. Bereits seit 1880, also fünf Jahre früher, war der "Bäkker- Gehilfen-Verein Bamberg" aktiv, von dem ein erster öffentlicher Auftritt als "Sängerbund" schon vom 14.Februar 1887 erwähnt wird. So war es ein Gebot der Kollegialität, als sich singende Meister und Gehilfen etwa ab 1900 zu gemeinsamen Veranstaltungen trafen. Gesungen wurde wohl vorwiegend auf der Grundlage der von bisherigen Chroniken erwähnten"Heimatliederbücher" und "Regensburger Liederhefte" unter Leitung des Oberlehrers Wicklein. Er war zuständiger Dirigent für das bisherige "Doppelquartett"der Bäckermeister und hat wohl dann auch den Anstoß zu der "Fusion" gegeben, die bei einer gemeinsamen Versammlung am 25. März 1902 im Vereinslokal der Brauerei "Böttinger", in der Austraße, vollzogen wurde. (1. Vorsitzender: Johann Georg Dom)Seit 1902, unter neuer Leitung des Musiklehrers Alfred Reitz, sind nach heutiger Archiveinsicht die ersten umfangreicheren Notenbeschaffungen festzustellen. Die Anzahl der geselligen Zusammenkünfte nimmt offensichtlich zu, zumindest erfährt das bisherige Angebot eine gewisse Bereicherung u.a. durch "Maskenkränzchen", "Theaterabende und Musik", "Ausflüge mit Gesangsproduktionen", "Konzerte" und "Gesellschaftsabende". Dafür wendet sich die Gesangsauswahl erkennbar dem als "Vereinslied" üblichen Genre zu. Das sind Sammlungen wie "Männerchor-Quartette" (Dresden),"Das volkstümliche Lied" (Langensalza) oder auch "Chorperlen für den Deutschen Männergesang" (Leipzig) mit Titeln wie "Du meine herrliche Rose im Tal", "Ein Lied, des Sängers Lust", "Mein Heimatthal", "Es zieht ein Spielmannsknab durchs Land" (G. Angerer, 1899), "Sonntag ist's", "Hochlandslied". - Die Anlässe für die nunmehr vereinsmäßig anberaumten Auftritte gehen über die weiterhin beliebten Familienfeiern hinaus. Am I. Juli 1902 beteiligt sich der Bäcker- Gesang-Verein Bamberg beim Sängerfest "Gemüthlichkeit" in Hirschaid im Massenchor und mit Einzeldarbietungen. 1903findet in Mürsbach ein Sängerfest statt. In den folgenden Jahren ergeben sich weitere Gesangsauftritte u.a. in Scheßlitz, Bischberg und Hallstadt; denn der Verein ist seit seiner Gründung der "Sängervereinigung Bamberg-Land" angeschlossen. Erst im Jahr 1909wird der Bäcker-Gesang-Verein Bamberg Mitglied des Fränkischen Sängerbundes. Diese durch den Weltkrieg 1914-1918 unterbrochene "Phase des traditionellen geselligen Chorsingens" im Bamberger Bäckergesang findet einen Höhepunkt durch die Fahnenweihe am 23. September 1923 in der Kirche der "Englischen Fräulein". Beim Festkonzert mit 15 Vereinen, darunter aus Fürth und Erlangen, erklingen "schöne Lieder, getragen von begeisterter Vaterlandsliebe und herrlicher Freundschaft". Der ausführliche Pressebericht würdigt vor allem die Leistung des ersten Vorstands Hans Rümmer, des Vaters unseres Chronisten von 1992, mit Dank und Anerkennung. Man präsentiert sich von jetzt an unter dem Zeichen der gemeinsamen Vereinsfahne- zu einer Zeit, in der die inflationären Anschaffungskosten nicht genau ermittelt werden können und teilweise durch "Realwährungen" ausgeglichen werden müssen- einer Öffentlichkeit, die über Bamberg hinausreicht, zum Beispiel bis nach Hannover, wo 1924ein Deutsches Sängerfest stattfindet. Damit endet auch die überaus erfolgreiche Vorstandstätigkeit von Hans Rümmer. Drei wichtige Personal- und Organisationsereignisse kennzeichnen den Übergang in eine zweite Sängergeneration des Bäckergesangvereins Bamberg, nämlich: 16.SEPTEMBER 1924 Wechsel in der Vorstandschaft von Hans Rümmer (seit 1919) auf Hans Lang (1924 - 26) und Peter Göller (1926-1948). 20. JANUAR 1925 Wechsel des Vereinslokals "Gasthaus zum Stöhren" (davor "Böttinger") zum "Alten Eckenbüttner" . 01. SEPTEMBER 1925 Wechsel im Dirigentenamt wegen Versetzung des Lehrers Hornung; neuer Chorleiter ist Oberlehrer Georg Kestler (Jg. 1879). Der neue Dirigent und spätere Rektor der Kaulbergschule Georg Kestler ist im Bamberger Musikgeschehen kein Unbekannter. Als Mitglied und Stellvertreter des Chorleiters im "Liederkranz Bamberg" darf er auch vertretungsweise an der Bamberger Domorgel aushelfen. Ein neuer Aufschwung zeichnet sich so im "Bäckergesangverein Bamberg" ab. 30 neue Gesangbücher werden angeschafft: "Sänger herbei!" (Curt Nitzsche, Dresden). 1926 wird ein neuer Flügel für 1200 Mk gekauft. Am 26. November 1927 feiert der Verein das 25-jährige Stiftungsfest im LuitpoldsaaI. Befreundete Gastchöre, darunter der Patenverein Fürth "vollzählig", melden ihre Teilnahme und nennen Liedbeiträge wie,"Freiheit" von Zöllner, "Die drei Röselein" von SiIcher. Als "Musik" ist die Kapelle Heinie in vorgesehen. Schließlich beteiligt sich der Verein im Sommer 1928 nach intensiven finanziellen und wohl auch musikalischen Vorbereitungen am Fest des Deutschen Sängerbundes in Wien. Den vorhandenen persönlichen Unterlagen von Georg Kestler ist zu entnehmen, dass das "Liederbuch des Deutschen Sängerbundes" im Zentrum seiner chormusikalischen Tätigkeit gelegen haben mag. Damit hat er die Möglichkeit, den Sängern über das bisher gepflegte "Vereinslied" hinaus verstärkt den Chorreichtum des 19. Jahrhunderts zu vermitteln, und das wären, neben Kompositionen u.a. von Franz Abt, Hugo Kaun, Conradin Kreutzer und Friedrich Silcher mit zahlreichen Volksliedbearbeitungen, möglicherweise auch einzelne Werke von Mozart, Beethoven, Schubert, Mendelssohn-Bartholdy oder Schumann. Ein rückwirkender Bezug zu den Gründungswurzeln des öffentlichen Chorwesens, den Liedertafeln und Liederkränzen, wäre dadurch erkennbar und damit ein Erbe der Jahre 1902-1930, das es in die schwierige und gefährliche Zeit des deutschen NS-Reiches hineinzutragen gilt. Seit 1933 werden die Versammlungen (und Singstunden ?) mit "Sieg Heil" auf den Führer und das Vaterland beschlossen, und "der Verein ist als Mitglied des Deutschen Sängerbundes auch bei der Reichsmusikkammer", wie es das Protokoll vom 5. Januar 1937 festhält. Die Liederhefte für die Chorveranstaltungen beim 12. Deutschen Sängerbundesfest im Juli 1937 in Breslau sind eindrucksvoller Beweis dafür, wie Volkslieder, religiöser Glaube und nationale Vaterlandstradition mit verführerischer Soldatenehre vermischt werden, um mit Hilfe bekannter Komponisten (z.B. Armin Knab, Joseph Haas, Hermann Erdlen, Otto Jochum) und mit literarischen Verfälschungen die Ideologie des "Dritten Reiches" zu verkünden. Bis 1936 beteiligt sich der Gesangverein an den örtlichen Gruppensingen und beschwört programmgemäß, "die alte Freundschaft hochzuhalten und das ewig schöne Deutsche Lied für Gott und Vaterland fortzupflegen". Mit einem letzten Sitzungsprotokoll vom 18. April 1939 verstummt der Bäckergesangverein Bamberg.
Der Neuanfang 1946/49, weiterhin unter der Chorleitung von Georg Kestler, deutet auf den Übergang in eine neue Generation der Bäckersänger hin. Die Vorstandschaft, zunächst für zwei Jahre noch mit Peter Göller (1946 - 48) und anschließend mit Georg Göller, freut sich am 17. Februar 1948 über "neue junge Sänger" und kündigt durch den Chorleiter die Beteiligung bei einem Gruppensingen mit Wertung am 16. April 1948 im Zentralsaal an. ,,0 Schutzgeist alles Schönen" (Neutext zu Mozart: ,"0 Isis und Osiris") ist als Massenchor vorgegeben, der Bäckergesangverein bereitet als Einzelbeiträge "Nur die Hoffnung festgehalten" von Eduard Surläuly und "Unterm Lindenbaum" von Wilhelm Sturm vor, Liedsätze aus dem Liederbuch des Deutschen Sängerbundes, (Leipzig). Die Kritik von Franz Berthold stellt fest: "Sehr gute notengetreue Wiedergabe, zuweilen chromatische Unreinheiten, einwandfreie Aussprache und Stimmbildung, Liedauswahl der Leistungsfähigkeit angepaßt, guter Gesamteindruck." Nach zweijähriger Probenzeit im Ausweichlokal "Zum Steinernen Haus" finden die Singstunden seit Mai 1948 wieder bei Geldner im Gasthaus Eckenbüttner statt, wo am 8. Februar 1949 Peter Loskarn zum neuen ersten Vorstand gewählt wird. Der 36-jährige Bäckermeister aus der Gartenstadt und kinderreiche Familienvater wird damit auch zum "Vater" der neuen, einer dritten Sängergeneration. Keine leichte Aufgabe ist für ihn die Suche nach einem Nachfolger für den inzwischen 71-jährigen Chorleiter Georg Kestler, der am 24. Januar 1950 ankündigt, sein Amt demnächst aufzugeben. Mit Hilfe des treuen Ehrenvorstandes Hans Rümmer im Hintergrund, der den Verein immer noch als "guter Geist" begleitet, schöpft Peter Loskarn Mut für seine neue Verantwortung, aber einen neuen Dirigenten findet auch der Ehrenvorstand nicht mehr. Hans Rümmer verstirbt 62-jährig und letztlich überraschend am 26. August 1950. Georg Kestler verabschiedet sich beim Bäckergesangverein am 18. September 1951,und nach zweimonatiger Übergangszeit mit dem Oberlehrer Michael Bauer sowie durch dessen Vermittlung stellt sich am 6. November 1951 der Komponist, Organist und Musiklehrer Heinrich Barthelmes, Jahrgang 1909, als neuer Dirigent vor. Er nennt folgende Bedingungen: 1.vorläufigeTätigkeit für ein Jahr, 2. Chorstärke mindestens 50-60 Sänger, 3. pünktlicher, vollzähliger Probenbesuch, 4. 10 DM pro Gesangstunde als Vergütung. Den Einstieg für den künstlerisch ehrgeizigen Berufsmusiker ermöglicht Vorstand Peter Loskarn durch eine Werbeaktion in allen Bamberger Bäckereien mit dem Ergebnis, dass beim Konzert zum 50-jährigen Jubiläum, am 28. Juni 1952,auf der Bühne des Großen Zentralsaales 64 Sänger auftreten und Chöre von Mozart, Beethoven, Friedrich Silcher, aber auch von Ernst-Lothar von Knorr, Armin Knab und Heinrich Barthelmes singen. Das bedeutet einen neuen Aufbruch zu den Anfangen des Männerchorwesens und gleichzeitig die Verbindung zu zeitgenössischen Kompositionen. Die "Barthelmes-Ära" erweist sich im Nachhinein als Wendepunkt des Bamberger Bäckergesanges in der Mitte des 20. Jahrhunderts. Einige Zitate aus Presseberichten belegen den Stellenwert des Chores im städtischen Geschehen ebenso wie die Qualität der musikalischen Auftritte. Juli 1955: Der Chorsatz "Gestern beim Mondenschein" von Hermann Erdlen wird im Rundfunk gesendet.6. April 1957: " Von den Männerchören bedeutete mir (d.i. der Berichterstatter) der Bäckergesangverein die angenehmste Überraschung." November 1959: "Heinrich Barthelmes demonstrierte, was Männerstimmen zu leisten vermögen, wenn sie richtig geschult werden. Man hätte diese Gruppe gerne einmal öfter gehört. " 23. Juli 1960 in der Würzburger Residenz: "...der kammermusikalisch vornehme Liedvortrag der Bamberger". Zwei Sonderereignisse sollen abschließend festgehalten werden: Im Oktober 1958 führt der Chor in Nürnberg, anlässlich des 75. Stiftungsfests der "Bäckersängerrunde" und gleichzeitig zum 50-jährigen Jubiläum des Bayerischen Bäckersängerbundes, "Die Allmacht" von Franz Schubert mit Sopran-Solo und Orchester auf. 1960 wird ein neues Klavier für 2570 DM erworben und feierlich eingeweiht.
Der vielleicht wichtigste Schritt aus der Sicht des Vereins war 1980 die Umbenennung in den "Chor der Bamberger Bäcker". Skeptikern mag diese Namensgebung etwas hoch gegriffen sein. Wir selbst haben durch unsere Vorstände Heribert Stuber(1970-1981) und Hans Loskarn (seit 1981) stets betont, dass wir unter dieser neuen Bezeichnung nicht vergessen wollen, vornehmlich für unseren Berufsstand, unsere Familien, Freunde und nicht zuletzt zur eigenen Freizeitgestaltung zu singen. Trotzdem legen wir bis heute großen Wert auf eine musikalisch gediegene Chorpflege mit entsprechender Gestaltung der Chorproben, systematischer Sprech-, Atem- und Stimmschulung und vor allem mit einem Repertoire, welches auch in der derzeitigen Chorlandschaft unserer Heimatstadt Bamberg beachtet wird.
Herausragende Konzerte und Auftritte waren:
1977,23. Oktober, 75-jähriges Jubiläum, beim Festkommers mit Chorsätzen von Johann K. Bachofen, Hugo Distler und Gottfried Wolters, beim Gottesdienst mit der Uraufführung einer "Bamberger Beckn-Messe" von Heinrich Barthelmes mit Bläsern und Orgel im Bamberger Dom. 1992,3. Oktober, 90-jähriges Jubiläum, mit Vertonungen des Themas "Musik" von Hans Leo Haßler, Wilhelm Schrey und Willy Sendt, mit Klavierliedern von Robert Schumann und mit Mozarts Kantatensatz "Dir, Seele des Weltalls" KV 429. 1995, 2. April, Internationale Bäckerausstellung (IBA) in Düsseldorf, gemeinsamerAuftritt mit dem Bäckerchor Erlangen, mit "Europa-Reise" von Willy Trapp, begleitet von Klavier und Schlagzeug. 1995, 18. November, "Abend der Romantik", als Gastchor in Hirschaid, mit dem "Bäckerchor" von Richard Wagner, "Die Minnesänger" von Robert Schumann, zwei Volksliedvertonungen von Felix Mendelssohn-Bartholdy und "Die Nacht" von Franz Schubert. 1997,"Bayern Champions", Auftritt zusammen mit dem Häckertrio Bamberg in der Showserie des Bayerischen Fernsehens im Wettbewerb der Städte Bamberg und Füssen, mit Eigen-Liedtext "Von den sieben Hügeln kommen wir" (in neuer weiß-roter Bäckerkleidung). 1998,31. Oktober, "Großes Handwerker Chorkonzert" im Historischen Rathaus zu Nürnberg, als Gastchor mit Werken von Richard Wagner, Cesar Bresgen und Waldemar Klink. Daneben gab es weitere gelungene auswärtige Konzertbeiträge, zum Beispiel: Liederabend ,,100 Jahre Armin Knab" 1981in Oberschleichach, Landes-Innungsverbandstag des bayerischen Bäckerhandwerks 1984 in Hof, 90-jähriges Jubiläum des "Bayerischen Bäckersängerbundes" in Nürnberg (1998) oder bei Stiftungsfesten für befreundete Bäckerchöre u.a. in München (1973), Nürnberg (1973), Schweinfurt (1979, 1984, 1999), Erlangen (1988), Fürth (1991), Würzburg (1995). Schließlich sind viel beachtete Sonderauftritte bei Großveranstaltungen in Bamberg zu erwähnen, wie 100 Jahre KAB (1987), Internationales Blasmusikfestival (1992), Eröffnung der neuen Konzerthalle (1993), außerdem die Altmeisterehrungen (1974- 1981), sieben große Adventskonzerte in verschiedenen Bamberger Kirchen sowie die jährlichen Gedächtnisgottesdienste für die Bäckerinnung Bamberg. Alles Weitere geht aus der bereits genannten, zum 1OO-jährigen Festjubiläum erstellten CD "Wir Bamberger Bäcker" hervor, die ein breit gefächertes Chorprogramm für Laiensänger demonstrieren soll. Denn musizierende Laien sind wir in Erinnerung und Beachtung unserer Bäckersängertradition geblieben. So sah es auch der Berichterstatter vom "Fränkischen Tag" am 7. Januar 1976: "Zum dritten Mal wurde die Altmeisterehrung im Haus des Handwerks am Schillerplatz vom Chor des Bäckergesangvereins musikalisch umrahmt. Obwohl diesmal nur ein Teil des Chores zur Veifügung stand, gefiel ein Lied besser als das andere. Respekt vor dieser beruflichen Chorgemeinschaft und ihrem Leiter Peter Strehler, und Respekt auch vor dem Repertoire, das sie zu bieten hatte. "Die Kreishandwerkerschaft Bamberg ist musikalisch absolut autark." 1981 nannte uns derselbe Pressereferent sogar "ein Ensemble von großer Musikalität".
Bamberg, im Januar 2002, Peter Strehler